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Geislinger Zeitung

„Den behalten wir“

Donzdorf: Ein Golden Retriever stattet den Bewohnern im Donzdorfer Seniorenzentrum "Kursana" einen Besuch ab. Die Therapiehundestaffel des DRK-Kreisverbandes Göppingen bringt dort Abwechslung in den Alltag.

MARGIT HAAS | 30.01.2016

Eine Bewohnerin des Seniorenzentrums "Kursana" in Göppingen freundet sich mit Therapiehund Luca an. Herrchen Manfred Neumann vom Göppinger DRK-Kreisverband erklärt bei der Streichelrunde, was für einen Golden Retriever typisch ist. 

"Darf ich ihn nehmen?" Betreuerin Christina vom Seniorenzentrum "Kursana" in Donzdorf hat schon auf den Besuch von Luca gewartet. Der Golden-Retriever-Rüde und sein Herrchen Manfred Neumann kommen an einem Mittwoch im Monat in die Einrichtung beim ehemaligen Donzdorfer Bahnhof. Die Bewohner des obersten Stockwerkes haben einen schönen Blick auf die Burgruine Rechberg. Die bekommt an diesem Vormittag aber keinerlei Beachtung.

Viel wichtiger ist Luca. Der 6-jährige Hund ist als Therapiehund des DRK-Kreisverband Göppingen ausgebildet und geht schwanzwedelnd auf die alten Menschen zu. Ein bisschen nervös ist er heute. "Er kennt diese Gruppe noch nicht", erläutert Herrchen und DRK-Therapiehundeführer Manfred Neumann. "Sitz!", weist er seinen Hund an - und der setzt sich prompt. "Der folgt aber schön", sagt eine alte Dame fest und streichelt das seidenweiche Fell liebevoll. "Wir machen erst einmal eine Streichelrunde", sagt der Hundeführer, und die Bewohner genießen den Kontakt mit dem Tier. Neumann erklärt ihnen die Besonderheiten der Hunderasse: "Normalerweise wird er bei der Entenjagd eingesetzt. Er beißt deshalb nicht fest zu, sondern hat einen ganz weichen Biss". Zum Beweis hält er dem Hund seinen Unterarm ins Maul. Das will dann aber niemand nachmachen, lieber bürsten die Senioren ihn ausgiebig. Sie klatschen, als Luca von einer kleinen Wäscheleine alle Socken abmacht und sie lieber zernagen als seinem Herrchen geben will. Er springt einem Ball nach, den Neumann den langen Flur hinuntergeworfen hat. Nach einer kleinen Belohnung bekommt der Hund eine neue Anweisung: "Mach eine Rolle!" Und schon wälzt sich Luca über den Boden. Auf den Applaus antwortet er mit einem fröhlichen Bellen.

Neumann ist Versicherungskaufmann und kommt einmal im Monat mit Luca her. Seine Frau Manuela ist ausgebildete Therapiehundeführerin und besucht regelmäßig die Einrichtung der Wilhelmshilfe in Süßen. In der umfangreichen Ausbildung haben sie und ihr Mann auch gelernt, mit schwierigen Situationen umzugehen und Tipps für den Umgang mit Kindern oder alten Menschen erhalten. "Es ist nicht immer leicht, Mitgefühl zu zeigen und doch eine gewisse Distanz zu wahren", berichtet das Ehepaar. In der "sehr intensiven Ausbildung" durch den DRK-Kreisverband Göppingen waren sie mit Luca auf die komplexe Aufgabe vorbereitet worden und hatten am Ende erfolgreich eine Prüfung abgelegt. Bei ihren Einsätzen mit Luca seien sie immer freudig aufgenommen worden, und die Menschen hätten positiv auf den Hund reagiert. Besucht er eine Einrichtung mit Menschen, die das Bett nicht mehr verlassen können, darf er auch aufs Bett hinauf. Alte Menschen mit einer Demenz öffnen sich oft "und erzählen von eigenen Erfahrungen mit Tieren", beobachtet Manfred Neumann immer wieder. An diesem Vormittag wollen die Bewohner von "Kursana" Luca vor allem streicheln. Am Ende des Besuchs sind sie sich einig: "Den wollen wir am liebsten dabehalten."

Ausbildung für den Hund

Vor einem Jahr startete beim DRK-Kreisverband Göppingen der erste baden-württembergische Kurs für die Ausbildung von Therapiehunden nach der DRK-Prüfungsordnung. Momentan ist der DRK-Kreisverband Göppingen der einzige Kreisverband im Land, der eine Therapiehundegruppe vorweisen kann. Weitere Informationen unter www.drk-therapiehundeteam.de